| ca. 1448 |
Über 320 Jahre
lang hat die im spätgotischen Stil erbaute Eybacher
Dorfkirche beiden Konfessionen
gedient. Ihr Baujahr ist nicht bekannt, doch
trägt das Sakramentshaus an der Nordwand des
Chores die Jahreszahl 1468; ein erster Umbau
erfolgte 1480. |
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Das Gotteshaus war
früher eine vielbesuchte Wallfahrtskirche
und ist heute noch im Besitz einer aus dem
Jahre 1320 stammenden Pieta und einer
Ölberg-Christusfigur von 1500. Die Gruft der
Grafen von Degenfeld, die sich unter dem
Schiff befindet, wurde nach dem ersten
Weltkrieg von Maurermeister Georg Geiger
zugemauert. |
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Von den vier Glocken
des Turmes stammen drei aus dem 15.
Jahrhundert (die mittlere von 1483, die große
von 1494, die Jahreszahl der kleineren ist
nicht genau zu entziffern). Die vierte Glocke
("Marienglocke") beschaffte sich die
Kirchengemeinde 1954 mit Hilfe einer
Spendenaktion. |
| 1608 |
Die Reformation
des 16. Jahrhunderts erreichte durch das
gräfliche Haus auch Eybach, so daß am 14.
Februar 1608 der erste evangelische Geistliche
investiert wurde. Rund 40 Jahre später
konnten die konfessionellen Verhältnisse
geregelt werden: Die Kaplanei wurde zwischen
dem katholischen und evangelischen Pfarrer
geteilt. Während Kirche samt Stiftung der
katholischen Gemeinde verblieb, erhielt die
evangelische das Mitbenutzungsrecht, doch
sollte der katholische Pfarrer bei der
Abhaltung des Gottesdienstes stets den Vorrang
haben. Eybach hatte damit lange Zeit die
einzige Simultankirche des Kreisgebiets. |
| 1939 |
Eine aufwendige
Renovierung der Kirche erfolgte im
Laufe der Sommer- und Herbstmonate 1939, als
auch der große Hochaltar-Komplex ein
schlichteres Aussehen erhielt. Damals schuf
der Ulmer Maler W. Geyer drei Fenster für den
gotischen Chor, worauf kleinfigürliche Szenen
aus dem Marienleben zu sehen sind, deren
Mittelpunkt die Krönung Mariens bildet. |
| 1958 |
Im Jahre 1958
duldete die Renovierung des Kirchturms
keinen Aufschub mehr. Am 19. Januar teilte
dies Pfarrer Brobeil in einer Predigt der
Gemeinde mit, worauf das Echo über Erwarten
stark war: Die 741 Katholiken (Eybach zählte
insgesamt 1143 Einwohner) sammelten 7000 Mark.
Die Gesamtkosten (auch die Uhr mußte
ausgetauscht werden) wurden mit 9000 Mark
angegeben. Die Einweihung des renovierten
Turmes fand Mitte August 1958 statt. |
| 1968 |
Nachdem bereits im
September 1967 mit dem Bau ihres
Gemeindezentrums im Wiesental begonnen wurde,
konnte dann im April 1968 der Grundstein für
die Christuskirche der evangelischen
Kirchengemeinde gelegt werden. |
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Der Umzug am 3.
November des gleichen Jahres begann in der
Marienkirche: Nach kurzen Ansprachen der
beiden Pfarrer Spaltner (evangelisch) und
Görlich (katholisch) zog der Festzug unter
Glockengeläute beider Kirchen ins Wiesental. |
| 1969 |
Die katholische
Gemeinde nahm eine grundlegende Renovierung
ihrer alten, aus Tuffstein erbauten Kirche in
Angriff. Einen Tag nach dem Weißen Sonntag,
am 14. April 1969, wurde mit den Arbeiten
begonnen, denen beispielsweise die längst
baufälige gewordene "Grafenloge"
(ein zuletzt bei Männern besonders beliebter
Raum, der sich unterhalb der Decke an der
westlichen Chor-Seite befand) zum Opfer fiel.
Während der vordere Teil der Kirche erhalten
blieb, wurde in Richtung Eyb erweitert. Als
"Notkapelle" richtete man für die
Dauer des Umbaus den ehemaligen Kindergarten
"Marienheim" (jenseits der Straße)
ein. |
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Gleich zu Beginn
der Arbeiten stieß man unter dem ehemaligen
Chorraum auf die gräfliche Gruft.
Ein Reporter beschrieb das Gesehene so:
"Dann fällt der Schein der Taschenlampe
auf zwei vermoderte Särge und eine noch
verhältnismäßig gut erhaltene Urne. Das
Holz der Särge ist nahezu vollständig
verwest, nicht aber die Gebeine der
bestatteten Menschen." |
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In der Kirche
arbeitete der Rottenburger Bildhauer Heinrich
Schneider an den gräflichen Grabtafeln,
numerierte die einzelnen Teile, um sie später
wieder zusammensetzen zu können. Er wies vor
allem auf die interessante Ausführung der
Grabtafeln aus rötlichem, glashaltigem
Kristalin-Marmor hin, von denen die schwerste
bis zu 38 Zentner wiegt. Ob die Kunstwerke von
den Meistern in Eybach hergestellt oder
hierher gebracht worden sind, ist ungewiß.
Bildhauer Schneider vermutete, daß die Ulmer
Kunstschule einen entscheidenden Einfluß
ausgeübt hat. |
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Die Grabtafeln,
von denen nur eine in lateinischer Sprache
verfaßt ist, stammen etwa aus der Zeit des
beginnenden 16. Jahrhunderts. Eine davon
stellt eine Rarität dar. In ihr sind zwar
Name und Geburtstag des Verstorbenen
eingehauen, nicht aber sein Todestag. In der
Kirche sind bei genauer Betrachtung
Stilrichtungen aus dem Barock und der
Renaissance anzutreffen. So bestaunte der
Fachmann den echten, nicht naiven, sondern
plastischen Stil der dargestellten Figuren,
die größtenteils aus Sandstein gehauen
sind. |
| 1970/71 |
Die Kirche, wie
sie sich heute dem Besucher präsentiert,
wurde am 11. Oktober 1970 von Bischof Dr. Carl
Josef Leiprecht geweiht. Rund ein halbes Jahr
später (9. Mai 1971) konnte auch das neue
"Marienheim" bezogen werden. |