Kirchen


... in Kürze

Die Katholische Kirche Die katholische Pfarrkirche St. Maria diente bis 1968 als Simultankirche beiden Konfessionen. Das Gotteshaus wurde um die Mitte des 15. Jahrhunderts im spätgotischen Stil aus Tuffstein errichtet. Aus jener Zeit (1468) stammt das beachtenswerte steinerne Sakramentshaus mit barockem Auferstehungschristus. Ebenfalls aus dem 15. Jahrhundert stammen der mächtige Glockenturm an der Nordseite sowie das Christophorus-Fresko an der östlichen Außenmauer, das Wilhelm Geyer schuf.
Die evangelische Christuskirche steht seit 1968. Die Grundidee ist das Zelt. Das moderne Gotteshaus ist bestimmt durch Einfachheit der Formen und Verzicht auf unnötigen Aufwand. (Architekt Gerhard Kirsche, Waldenbuch). Die Evangelische Kirche

Geschichtlicher Hintergrund

Über 320 Jahre lang hat die im spätgotischen Stil erbaute Eybacher Dorfkirche beiden Konfessionen gedient. Ihr Baujahr ist nicht bekannt, doch trägt das Sakramentshaus an der Nordwand des Chores die Jahreszahl 1468; ein erster Umbau erfolgte 1480. Von den vier Glocken des Turmes stammen drei aus dem 15. Jahrhundert (die mittlere von 1483, die große von 1494, die Jahreszahl der kleineren ist nicht genau zu entziffern). Die vierte Glocke ("Marienglocke") beschaffte sich die Kirchengemeinde 1954 mit Hilfe einer Spendenaktion.

Das Gotteshaus war früher eine vielbesuchte Wallfahrtskirche und ist heute noch im Besitz einer aus dem Jahre 1320 stammenden Pieta und einer Ölberg-Christusfigur von 1500. Die Gruft der Grafen von Degenfeld, die sich unter dem Schiff befindet, wurde nach dem ersten Weltkrieg von Maurermeister Georg Geiger zugemauert.

Die Reformation des 16. Jahrhunderts erreichte durch das gräfliche Haus auch Eybach, so daß am 14. Februar 1608 der erste evangelische Geistliche investiert wurde. Rund 40 Jahre später konnten die konfessionellen Verhältnisse geregelt werden: Die Kaplanei wurde zwischen dem katholischen und evangelischen Pfarrer geteilt. Während Kirche samt Stiftung der katholischen Gemeinde verblieb, erhielt die evangelische das Mitbenutzungsrecht, doch sollte der katholische Pfarrer bei der Abhaltung des Gottesdienstes stets den Vorrang haben. Eybach hatte damit lange Zeit die einzige Simultankirche des Kreisgebiets. Eine aufwendige Renovierung der Kirche erfolgte im Laufe der Sommer- und Herbstmonate 1939, als auch der große Hochaltar-Komplex ein schlichteres Aussehen erhielt. Damals schuf der Ulmer Maler W. Geyer drei Fenster für den gotischen Chor, worauf kleinfigürliche Szenen aus dem Marienleben zu sehen sind, deren Mittelpunkt die Krönung Mariens bildet.

Im Jahre 1958 duldete die Renovierung des Kirchturms keinen Aufschub mehr. Am 19. Januar teilte dies Pfarrer Brobeil in einer Predigt der Gemeinde mit, worauf das Echo über Erwarten stark war: Die 741 Katholiken (Eybach zählte insgesamt 1143 Einwohner) sammelten 7000 Mark. Die Gesamtkosten (auch die Uhr mußte ausgetauscht werden) wurden mit 9000 Mark angegeben. Die Einweihung des renovierten Turmes fand Mitte August 1958 statt.

Nachdem sich die evangelische Kirchengemeinde 1968 ein eigenes Gotteshaus im Neubaugebiet Wiesental erstellt hatte, nahm die katholische eine grundlegende Renovierung ihrer alten, aus Tuffstein erbauten Kirche in Angriff. Einen Tag nach dem Weißen Sonntag, am 14. April 1969, wurde mit den Arbeiten begonnen, denen beispielsweise die längst baufälige gewordene "Grafenloge" (ein zuletzt bei Männern besonders beliebter Raum, der sich unterhalb der Decke an der westlichen Chor-Seite befand) zum Opfer fiel. Während der vordere Teil der Kirche erhalten blieb, wurde in Richtung Eyb erweitert. Als "Notkapelle" richtete man für die Dauer des Umbaus den ehemaligen Kindergarten "Marienheim" (jenseits der Straße) ein.

Gleich zu Beginn der Arbeiten stieß man unter dem ehemaligen Chorraum auf die gräfliche Gruft. Ein Reporter beschrieb das Gesehene so: "Dann fällt der Schein der Taschenlampe auf zwei vermoderte Särge und eine noch verhältnismäßig gut erhaltene Urne. Das Holz der Särge ist nahezu vollständig verwest, nicht aber die Gebeine der bestatteten Menschen."

In der Kirche arbeitete der Rottenburger Bildhauer Heinrich Schneider an den gräflichen Grabtafeln, numerierte die einzelnen Teile, um sie später wieder zusammensetzen zu können. Er wies vor allem auf die interessante Ausführung der Grabtafeln aus rötlichem, glashaltigem Kristalin-Marmor hin, von denen die schwerste bis zu 38 Zentner wiegt. Ob die Kunstwerke von den Meistern in Eybach hergestellt oder hierher gebracht worden sind, ist ungewiß. Bildhauer Schneider vermutete, daß die Ulmer Kunstschule einen entscheidenden Einfluß ausgeübt hat.

Die Grabtafeln, von denen nur eine in lateinischer Sprache verfaßt ist, stammen etwa aus der Zeit des beginnenden 16. Jahrhunderts. Eine davon stellt eine Rarität dar. In ihr sind zwar Name und Geburtstag des Verstorbenen eingehauen, nicht aber sein Todestag.
In der Kirche sind bei genauer Betrachtung Stilrichtungen aus dem Barock und der Renaissance anzutreffen. So bestaunte der Fachmann den echten, nicht naiven, sondern plastischen Stil der dargestellten Figuren, die größtenteils aus Sandstein gehauen sind. Die Kirche, wie sie sich heute dem Besucher präsentiert, wurde am 11. Oktober 1970 von Bischof Dr. Carl Josef Leiprecht geweiht. Rund ein halbes Jahr später (9. Mai 1971) konnte auch das neue "Marienheim" bezogen werden.

Wie bereits erwähnt, hat sich die evangelische Gemeinde ein neues Gotteshaus errichtet. Nachdem bereits im September 1967 mit dem Bau ihres Gemeindezentrums im Wiesental begonnen wurde, konnte dann im April 1968 der Grundstein für die Christuskirche gelegt werden.

Der Umzug am 3. November des gleichen Jahres begann in der Marienkirche: Nach kurzen Ansprachen der beiden Pfarrer Spaltner (evangelisch) und Görlich (katholisch) zog der Festzug unter Glockengeläute beider Kirchen ins Wiesental.

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